Mein Wochenende im Zockerzimmer

Von Zeit zu Zeit packt es mich, dann fahre ich an einem Freitag nach der Arbeit in den Supermarkt, kaufe Müsli, Milch, Chips, Fertiggerichte und viel Cola ein, um mich das gesamte Wochenende in meiner Wohnung einzuschließen. In der Regel passiert das dann, wenn ein Computerspiel, auf welches ich bereits seit der Ankündigung gewartet habe, seinen „Release“ hatte und es endlich so weit ist, dass ich es spielen kann. Müsli, Chips und Cola werden rings um meinen belehnten Bürostuhl platziert. Während die Installationsroutine läuft schiebe ich eine Pizza in den Ofen, schließe - auch wenn es draußen noch hell ist - schon einmal vorsorglich die im Internet bestellten Jalousien, lege meine Kopfhörer bereit und stelle den Wecker auf Sonntagabend.

Letzte Sicherheitsvorkehrungen betreffen Festnetztelefon und Handys, welche abgezogen oder in den Flugmodus versetzt werden. Sobald die Installation angeschlossen ist, wird ein ein kurzer Teststart hingelegt, damit dem Vorspann nichts mehr im Wege steht, während ich mich über die Pizza hermache. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Zeit, in welcher eine Pizza im Ofen steckt und der Zeit, bis ein Spiel fertig installiert ist, in engem Zusammenhang stehen, von langer Hand geplant wurden in dem Bestreben die Weltherrschaft zu übernehmen, während die Menschen Pizza essen und sich aufs Spielen freuen.

Mein Zimmer wird in diesen Tagen fast ausschließlich vom Monitor beleuchtet. Da die Jalousien aus Aluminium sind, dämpfen sie die hell/dunkel Wechsel sehr effektiv ab. Einzig bei Toilettenpausen merke ich dann, welche Tageszeit gerade ist. Meist bin ich überrascht, habe ein kurzes Einsehen und räume auch noch den Halbmond aus Verpackungen auf, welcher sich um meinen Stuhl gebildet hat. Geschlafen wird wenn es das Spiel zulässt. Ich lege mich dann einfach in das fertige Bett. Mir ist beim Aufwachen dann meist nicht klar wie lange ich geschlafen habe, weil ich die entsprechende Uhrzeit nicht kenne. Das ganze Schauspiel geht meist solange, bis der Wecker klingelt und mir andeutet, dass ich mich bald ausruhen muss, um Montagmorgen wieder arbeiten zu können.

3 Kommentare 17.6.15 16:42, kommentieren

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